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Rezensionen von "Ich fühl mich wie ein Tannenbaum"

 

Ich fühl mich wie ein Tannenbaum, war das Motto, aber wer gedacht hätte, ein Programm "voller Rauschegoldengel und Lebkuchen" zu erleben, sah sich, sehr zum eigenen Vergnügen, eines besseren belehrt. Die Guse nannte diese Symbiose von Text und Musik selbstironisch, eine "Vermählung von Bethlehem und Gänsebraten" und hatte damit dem Nagel auf den Kopf getroffen, ohne allerdings den ernst zu nehmenden Charakter des schönen Weihnachtsfestes in Frage zu stellen Frivol war dieses Programm, voller Pikanterie, manchmal sogar verwegen frech, voller sanfter Erotik und unübersehbarem Lächeln vor so mancher Trivialität, die auch ein solches Fest wie Weihnachten begleiten.

Text: Etwas andere Sichtweise zum Fest (Volksstimme)

 

Wenn Martina Guse - im tannengrünen Gewande mit Sternen und Glitzer im Haar beteuert "Ich fühl mich wie ein Tannenbaum”, dann nimmt man Ihr das gern ab, zumal ein singender Tannenbaum, der herzzerreißende Komik versprüht, allemal attraktiver ist, als die nadelnden Gerippe, die am 6. Januar auf dem Kompost wandern. Die Guse leiht diesmal ihre Stimme Julie Schrader, eine Frau der wilhelminischen Epoche. Sie liebte die Dichtkunst und die Männer und beides mit Inbrunst, was bisweilen zu tragikomischen Ergüssen führte. Sie eroberte mit ihrer naiven Sinnlichkeit die Herzen solch spektakulärer Herren wie Frank Wedekind und Baron von Münchhausen, und sie hätte sogar an Gott geglaubt, wie sie ihm poetisch versprach, wenn er ihr einen "schönen Mann" geschenkt hätte. Dem Leben mit ihrem späteren Mann, einem drögen Ingenieur, zog sie den nassen Tod im Mühlenteich von Oelerse bei Hannover vor. "Dem Reinen ist alles Reim", dies sollte man bedenken, wenn man sich in dieses etwas andere Weihnachtsprogramm begibt.

Text: Gisela Brünig 2003, Badisches Tagblatt

 

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